Beim Barcamp durfte ich in Session Runde 3 eine Diskussion zum Thema Industrie-Datenakquise für KI-Systeme anbieten — und die Runde hat gezeigt, wie viel Gesprächsbedarf es genau an dieser Stelle gibt. Vielen Dank an MVWorks für die Gelegenheit und die Organisation dieses Formats.

Warum Datenakquise das eigentliche Thema ist
Wenn über KI in der Industrie gesprochen wird, geht es meist um Modelle: Anomalie-Erkennung, Forecasting, Optimierung. In der Praxis entscheidet sich der Erfolg solcher Projekte aber viel früher — bei der Frage, ob überhaupt verwertbare Daten aus den Anlagen herauskommen. Genau das war der Kern der Session: Nicht das Modell ist der Engpass, sondern der Weg der Daten von der Maschine bis zum trainierbaren Datensatz.
Worüber wir gesprochen haben
Drei Themen haben die Diskussion geprägt:
- Maschinenanbindung — Wie kommen Prozessdaten zuverlässig aus Bestandsanlagen? Standardisierte Schnittstellen wie OPC UA helfen, aber die Realität in gewachsenen Produktionsumgebungen ist heterogen: unterschiedliche Steuerungen, proprietäre Protokolle, fehlende Dokumentation.
- Sensorik als Ergänzung — Wo die Maschine selbst nicht genug hergibt, können zusätzliche Sensoren nachrüsten, was fehlt: visuelle Sensorik für die Prozessüberwachung, Schwingungs- und Temperaturdaten für die Zustandsüberwachung. Wichtig ist, die Sensorik vom Anwendungsfall her zu denken, nicht umgekehrt.
- Vom Rohdatum zum Trainingsdatensatz — Kontinuierliches Monitoring erzeugt große Datenmengen, aber Menge ist nicht gleich Qualität. Synchronisierung verschiedener Quellen, Bereinigung, Labeling und eine saubere Datenhaltung sind die unspektakuläre, aber entscheidende Arbeit, bevor ein KI-System etwas lernen kann.
Was aus den Gesprächen mitgenommen wurde
Besonders wertvoll waren die Beiträge der Teilnehmenden: eigene Erfahrungen aus Produktionsumgebungen, kritische Fragen zur Wirtschaftlichkeit und die immer wiederkehrende Beobachtung, dass viele Unternehmen längst auf Datenschätzen sitzen — sie aber nicht systematisch erschließen. Der Einstieg muss dabei kein Großprojekt sein: Oft reicht ein klar umrissener Anwendungsfall, eine Anlage, ein Prozess, um den Wert der eigenen Daten sichtbar zu machen.
Ein zweiter Punkt, der in der Runde Anklang fand: Datenakquise ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Anlagen ändern sich, Prozesse werden umgestellt, Sensoren altern. Wer KI-Systeme dauerhaft produktiv betreiben will, braucht ein Monitoring, das nicht nur die Anlage, sondern auch die Datenqualität selbst im Blick behält.
Austausch, der die Region voranbringt
Formate wie dieses Barcamp schaffen genau die Verbindung, die es braucht: Industrieunternehmen, die konkrete Probleme mitbringen, und KI-Praktiker, die einordnen können, was heute realistisch machbar ist — ohne Buzzword-Nebel. Die anregenden Gespräche, auch zwischen den Sessions, haben gezeigt, wie viel Potenzial in Mecklenburg-Vorpommern an dieser Schnittstelle liegt.
Wer beim Thema Industrie-Datenakquise tiefer einsteigen möchte oder gerade selbst vor der Frage steht, wie die eigenen Anlagendaten nutzbar werden: Ich freue mich über den Austausch.