Es gibt nicht nur eine Körperkarte im Gehirn, sondern (mindestens) zwei. Neben dem fühlenden Homunkulus existiert ein zweiter, fast spiegelbildlicher – im motorischen Cortex, der Bewegung steuert.
Und er folgt exakt demselben Prinzip: Die Körperteile, die wir am feinsten kontrollieren, bekommen die größte Fläche. Finger, Lippen und Zunge – mit denen wir greifen, sprechen und filigran hantieren – beanspruchen riesige Areale. Oberschenkel oder Rumpf, die wir nur grob bewegen, fast nichts.
Fühlen und Handeln teilen sich also dieselbe Ökonomie: Je mehr Präzision ein System an einer Stelle braucht, desto mehr Repräsentation investiert es dort. Wer KI baut, kennt dieses Muster – auch ein neuronales Netz verteilt seine Kapazität nicht gleichmäßig, sondern lernt, sie dorthin zu legen, wo die Aufgabe sie verlangt.
Bildnachweis: Aus: Bear et al., Neurowissenschaften, Spektrum Akademischer Verlag GmbH 2009.